Dienstag, 11. Februar 2014

United Kingdom – wo "common sense" all zu oft durch Arroganz abgelöst wurde



Der Beitritt Großbritanniens zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) war von Anfang an nichts anderes als ein Mißverständnis zu Lasten Europas, welches bereinigt und beendet gehört. Die Chancen stehen nur all zu gut, daß die Briten dies im für 2017 angekündigten Referendum endlich in ihre eigenen Hände nehmen werden. Von dieser Seite aus sei viel Erfolg gewünscht.

Man darf zurück blicken in die frühe Nachkriegszeit. Die EWG florierte mit jährlichen Zuwachsraten von 5%. The United Kingdom hingegen hatte eine halb verstaatlichte Wirtschaft, die am Boden lag. Nach langen Diskussionen verkündete der britische Premierminister Harold Macmillan 1961 vor dem britischen Unterhaus, dass Großbritannien der EWG beitreten müsse, um einen wirtschaftlichen Kollaps vermeiden zu können. 

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"Ein Weichei! Mit Grüßen an UKIP !" (Quelle: Wikipedia / Autor: miya / Lizenz: GNU Free Documentation License)
1961 richtete the UK also einen ersten Antrag auf Mitgliedschaft an Brüssel. Zum Erstaunen der Mitgliedsländer der EWG stellte die Londoner Regierung nachfolgend allerdings umfängliche Forderungen betreffend Sonderregelungen auf. Europa solle sich gewissermaßen Großbritannien anpassen. Diese Attitüde Londons führte dazu, dass der französische Präsident Charles de Gaulle 1963 ein Veto einlegte.

Damit wäre die Sachlage eigentlich ausreichend beschrieben gewesen. Jedoch, die desaströse Wirtschaftslage Englands führte letztendlich zu einem erneuten Aufnahmeantrag und dem Beitritt im Jahre 1973. Nicht nur die auf der Insel so sehr glorifizierte Politik Thatchers führte zur wirtschaftlichen Erholung von the United Kingdom. Der Beitritt und der Zugang zum europäischen Markt waren mindestens ebenso wichtig.

In den Köpfen der Europäer hat sich spätestens seit den guten alten Thatcher-Jahren ("I want my money back!") festgesetzt, dass England gerne Sonderwünsche äußert und diese auch stets erfüllt bekommt. Im persönlichen Bereich würde man das als „Rosinen picken“ bezeichnen.

Das alleine ist definitiv unsäglich unverschämt und nur zu ertragen, weil man sich ja alles mit „Realpolitik“ schön saufen kann. Hinzu kommen aber die mit regelmäßiger Emphase und Lautstärke vorgetragenen (nicht erbetenen) Ratschläge an die Trottel vom Kontinent. Insbesondere die Deutschen waren in britischen Tiraden immer zu weich, zu nahe an der Seite der Franzosen und prinzipiell unfähig zu einer modernen Wirtschaftspolitik. 

Über Jahrzehnte durfte man die jubelnde Häme ertragen mit der glücklich in die Welt posaunt wurde, dass Deutschland sterbende Industriezweige subventionierte, während Großbritannien stets auf Zukunftsindustrien (wie die Finanzindustrie) setzte. Und die Wiedervereinigung würde zu viel Kapital binden! Glücksbesoffen waren die Britten, oder immer "europäisch asozial"!

Kaum war diese Sichtweise nach der Finanzkrise 2008ff auf dem Boden der Realität aufgeprallt, da dauerte es ca. zwei Sekunden bis sich in London zwar die Argumentation selbst sehr wohl geändert hatte. Der Tonfall und die überhebliche Attitüde blieben, ja spitzten sich verbiestert noch zu.

Seitdem ist Deutschland das „Vierte Reich“, das gefälligst die „Bazooka“ rausholen soll, um die Eurozone zu retten. Voller Wonne wurde gleichzeitig deren Ende herbeigesehnt. Und mit stolzer Brust wurde klar gestellt, dass the United Kingdom bei Rettungsaktionen leider nicht helfen könnte. Ja, der Premierminister Cameron versuchte gar, seine Zustimmung zu Rettungsplänen dazu zu nutzen, um erneut Sonderwünsche Londons durchzusetzen.

Diese eigennützige Vorgehensweise, die nur den nationalen Vorteil Großbritanniens im Blick hat und Vorteile für Europa insgesamt stets negiert, ist nicht zum Wohle beider Seiten gedacht. Alleine die durch Snowden veröffentlichten Abhöraktionen "gewisser" Geheimdienste zeigen das aus einem anderen Blickwinkel nur zu deutlich. „The Five Eyes“ hören den gesamten Planeten und insbesondere die EU ab. Hier handelt es sich ausschließlich um angelsächsische Staaten, die jegliche Empörung auf Seiten der Europäer bewußt fehlinterpretieren und die Welt in „Us and Them“ aufteilen.

Dis Volksabstimmung in der Schweiz vom letzten Wochenende wird in the UK ausreichend viele (Überheblichkeits-) besoffene UKIP-Anhänger geil sabbernd triumphieren lassen. Die EU-Kommission hat zwei Möglichkeiten. Knickt sie gegenüber der Schweiz ein, so bläst sie ins UKIP-Horn „Wir wollen einen Status wie Norwegen und die Schweiz“. Läßt sie Verträge mit der Schweiz auslaufen, so könnte der eine oder andere auf der Insel vielleicht wach werden und nochmal durchrechnen, was auf dem Spiel steht.

Wer also möchte, dass die Briten die Europäische Union verlassen mögen, der kann nur dafür beten, dass in Brüssel ausreichend Weicheier herum laufen, die mit den Schweizern zusammen „das Beste“ aus der Situation machen wollen. I would bet any money that …


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