Wenn in einschlägigen
Stellenbörsen Fundraiser gesucht werden, dann sind damit heutzutage allzu oft schlicht Promoter gemeint.
Promoter kennt
jeder Bürger aus Supermärkten, Einkaufzentren oder Fußgängerzonen. Es werden Zeitungsabonnements,
Telefonverträge oder auch der Straßenfeger für Obdachlose angeboten. Das Geschäft
ist hart. „Professionelle Promoter“ arbeiten häufig als freie Handelsvertreter.
Die monatlichen Einkommen liegen bei ein paar (besser einem Paar) hundert €uro.
Wer in diesem Geschäft erfolgreich ist, der kann dann auch an Tote verkaufen.
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(In Buenos Aires: "Español: Vista hacia el sur de la Calle Florida, entre Córdoba y Paraguay"-ohne deutschen Fundraiser; Quelle: Wikipedia; Autor: Galio 01:53, 4 January 2008 (UTC); Lizenz: GNU Free Documentation License, Version 1.2) |
Man kann das als Direktmarketing
verstehen. Drücker stellen dann die nächst
„höhere“ Form des Direktvertriebes
dar.
Laut Fundraiserhandbuch
([1]- Seite 353) ist „die
persönliche Direktansprache … die erfolgreichste Möglichkeit, neue Spenderinnen
und Spender … für eine Organisation zu gewinnen“. Das ist
eine moralisch gesehen höchst unerfolgreiche Aussage und bar jeder Logik, wenn man
Ahnung vom Direktmarketing hat.
Sei’s drum. Der Straßenverkauf
(oder netter ausgedrückt „die Kollekte“) kann verschiedene Zwecke erfüllen. Die
Organisation und deren Anliegen werden
visualisiert und in Erinnerung gerufen. Man kann Adressen und die in Deutschland benötigten
Einverständniserklärungen (einmal nicht ankreuzen genügt) akquirieren und man
kann Einnahmen generieren, also Geldspenden einwerben.
Die NGO-Promoter
sind im Normalfall Freiwillige, die
für’n Appel und ein Ei arbeiten, oder aber natürlich die eingangs erwähnten, geworbenen „Fundraiser“. Eine Schulung findet
meist vor Ort am Objekt statt. Wer das mitmacht und durchhält, wird dann bundesweit
von Ort zu Ort „verschifft“ und lernt Deutschland aus Sicht der Fußgängerzonen
und Billigabsteigen kennen. Ein Highlight ist dann eine Werbemaßnahme am
Potsdamer Platz oder wäre eine in Buenos Aires. Was tut man nicht alles für die
gute Sache.
Vor Ort muß beim Ordnungsamt eine „Sondernutzungsgenehmigung“ eingeholt werden. Gemeinnützige
Organisationen können die gebührenfrei erhalten. Straßenmusiker erhalten die
ihrige im Vergleich dazu selten kostenfrei.
Beim Marketing sind Zielgruppen
das A und O. Welche Menschen(gruppen) sollen angesprochen werden? Wo finde ich
die? Promoter für die Wochenzeitung „Die Zeit“ oder für die „Süddeutsche“ oder
die „FAZ“ stehen daher gerne vor Bibliotheken oder vor Universitäten. Dort sollen wohl "Bildungsbürger" anzutreffen sein.
Man mache sich nichts vor. Im Straßenverkauf sind Menschenmassen gefragt. Die „Berliner
Morgenpost“ platziert ihre Promoter mit kleinen Pappständen in die Laufwege der 50.000 Besucher, die bei Heimspielen von Hertha das Olympiastadion oder bei den
Eisbären die O2-Arena stürmen.
NGOs agieren nicht anders, da das Metier aus Vertriebssicht schlicht
das gleiche ist.
Wer sich als Student auf einen solchen „Fundraiserjob“
bewirbt, kann viel Menschenkenntnis
erwerben, sollte sich aber hinterher nicht als Fundraiser fühlen.
Wer unter Dopaminmangel
leidet, für den könnte der Job definitiv etwas sein. Das ist natürlich keine
wissenschaftlich-medizinisch begründete Aussage. Aber, wer mal am Tag 10.000
menschliche Gesichter hat auf sich zukommen sehen, von denen er 10.000
angelächelt hat, der weiß danach, warum Botenstoffe Menschen glücklich machen
können.
Quellen:
[1] „Fundraising“ – Handbuch für
Grundlagen, Strategien und Methoden; Herqausgeber: Fundraising-Akademie;
Gabler Verlag 2008
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